25. Feb 2018

Un ballo in maschera

Das Maskenfest, mit dem Verdis 1858 entstandene Oper „Un ballo in maschera“ endet, ist kein ausgelassenes Vergnügen. Es bietet die Kulisse für den tödlichen Anschlag auf einen König, wie er 1792 in Schweden auf Gustav III. verübt worden war. Die Maske ist die ideale Tarnung für alle, die etwas zu verbergen oder geheim zu halten haben: Gustav und Amelia mit ihrer ehebrecherischen Liebe, Graf Anckarström, der betrogene Freund und Ehemann, Oscar, der unfreiwillige Schicksalsbote, und die Verschwörer, die es auf den König abgesehen haben. Doch es bedarf nicht erst des festlichen Saals, um das zur Schau gestellte Divertissement als Fassade zu entlarven. Längst ist jeder jedem entfremdet: die Frau dem Manne, der Freund dem Freunde, der Politiker dem Volk, und die gesellschaftlichen Umgangsformen kaschieren nur notdürftig das Chaos und die Anarchie, die dahinter lauern. Nicht von ungefähr verlangte die italienische Zensurbehörde von Verdi, den Schauplatz des Maskenfestes samt dem Mord auf offener Bühne zu ändern, lag doch das in Neapel erfolgte Attentat auf Napoleon III. noch nicht einmal zehn Jahre zurück. So erfolgte ein Ortswechsel in das amerikanische Boston, wo sich der schwedische König in einen britischen Gouverneur verwandelte, der Diplomat Anckarström zu einem Sekretär dunkler Hautfarbe degradiert wurde und die aristokratischen Anführer der Verschwörung einfach nur noch Samuel und Tom hießen. Doch die Brisanz des Stückes blieb.

Wie in keiner anderen Oper hat Verdi hier die Doppelbödigkeit gesellschaftlichen Existierens zum Thema gemacht, in ihrer Tragik und Komik und der tödlichen Gefahr, die sie in sich birgt, dargestellt. Das Maskenfest gerät zur Katastrophe, die als latente Bedrohung das gesamte Stück über vorhanden ist. Denn ein König, der sich der politischen Verantwortung zugunsten seines Privatlebens entzieht, ein Berater, der aus blindem Nationalismus die Schwächen seines Landesherrn übersieht, und eine Frau, die nicht den Mut findet sich zu entscheiden, sind geeignete Mittel zum Zweck, um ein ganzes System zu Fall zu bringen.


Opernhaus Düsseldorf
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